Kirche

Die Evangelisch-Lutherische Kirche liegt in der Kirchstraße 28, mitten im alten Ortskern von Oberstedten. Unsere Kirche ist eine "offene Kirche", die auch werktags (tagsüber) für geöffnet ist.

Vor unserer Kirche befindet sich ein kleiner, wunderschöner Kirchgarten, der zum Verweilen einlädt und von Ihnen genutzt werden darf.

Der Kirchgarten wird von einem ehrenamtlichen Team um Helmut Schubert gehegt und gepflegt. Jeder der Zeit und Lust hat sich hier einzubringen ist herzlich willkommen.  

 

Kontakt Kirchgarten:

Helmut Schubert

Lesen Sie hier, warum die Kontaktinformationen entfernt wurden.

 


Kleine Baugeschichten

Um 1700 war die alte Stedter Kirche fast eine Ruine. Dies lag vor allem daran, dass das Gebäude während des Schmalkadischen Kriegs und des Fürstenkriegs im 16. Jahrhundert und während des Dreißigjährigen Kriegs im 17. Jahrhundert schweren Schaden genommen hatte.

Zwar war die Kirche 1644 notdürftig in Stand gesetzt worden, doch Ende des Jahrhunderts wurde klar: So geht es nicht weiter. Das Dach und eine Wand schienen einsturzgefährdet, und Pfarrer Huth, ein neben dem Oberpfarrer Georg Peter Winter von Bad Homburg aus agierender Geistlicher, bat Landesgraf Friedrich II. von Hessen-Homburg um Reparaturmaßnahmen, da „ansonsten der Kirchturm über einen Haufen fällt“.

Der Landgraf unterstützte einen Neubau auf den alten Fundamenten und so begannen am 9. Mai 1706 die Arbeiten auf der Baustelle. Beauftragt wurden der Baumeister Peter Lang aus Kalbach und Johann Jacob Lange aus Holgau in Tirol. Dieses Ereignis führte zu einigen der turbulentesten Jahre in der Stedter Geschichte. Und wie!

Als die Maurerarbeiten im September abgeschlossen waren, stellte ein Gutachter fest, dass der Baumeister Lang die Gemeinde betrogen und an Kalk und Mörtel gespart hatte. Die Fundamente waren nicht massiv genug und es drohte alles gleich wieder einzustürzen. Lang wurde das Honorar gekürzt, er verlor das Gerichtsverfahren und musste die Schäden beheben.

 

Noch während des Baus ging der Gemeinde das Geld aus, doch eine starke Gruppe im Ort fand trotzdem, es sei erst einmal wichtiger, für neue Glocken zu sammeln. Der „Glockenstreit“ entzweite damals ganz Oberstedten und es kam im weiteren Verlauf – so ein Chronist – „zu argen Zwistigkeiten, die in böse Beschimpfungen und gar Schlägereien ausarteten“.

 

Nachdem die Glockenbefürworter schriftlich versichert hatten, dass sie für den Kauf, den Erhalt und auch etwaige Folgeschäden am Bau (wegen des Gewichts der Glocken) aufkommen würden, konnte der Streit geschlichtet werden. Allerdings mussten beide Homburger Pfarrer hohe Geldstrafen zahlen, weil sie aus Eitelkeit ihre Namen in die Glocken hatten prägen lassen.

 

Der neue gewählte Schultheiß von Oberstedten, Johann Wilhelm Scholl, schanzte den Auftrag für die abschließenden Bauarbeiten eigenmächtigen einigen seiner Verwandten zu, was die Pfarrer sehr empörte, weil die Maurer nicht nur willkürlich den Bauplan änderten, sondern am Ende die Kosten auch deutlich erhöhten.

 

Dann endlich, nach 9 Jahren, war die neue Kirche fertig. Und das auch nur, weil viele Oberstedter tatkräftig mithalfen – indem sie Geld spendeten, Material günstig lieferten, Fuhrdienste übernahmen und persönlich am Bau mit Hand anlegten. Und irgendwie passen diese verrückten Anekdoten ja auch nach Oberstedten.

Am 18. August, dem 9. Sonntag nach Trinitatis des Jahres 1715, wurde das Kirchenschiff in Anwesenheit des neuen Landgrafen Friedrich III. von Oberpfarrer Winter festlich eingeweiht. Schon damals war den aufmüpfigen Stedterinnen und Stedtern klar: „Wir wollen bald wieder eine eigenständige Gemeinde sein und nicht mehr von Homburg mitverwaltet werden.“ ,was 1786 endlich gelang.

Doch auch der Kirchbau ging weiter: Die erste Sakristei wurde im 19. Jahrhundert ergänzt. Und 1955 kam es dann zum Anbau des „Kirchsaals“, der kleinen Sakristei und des neuen Turms, der den alten Dachreiter für die Glocken ersetzte. Dabei wurde auch das Innere der Kirche deutlich umgestaltet.

Der Bau von 1715 kostete am Ende übrigens 953 Gulden, wobei ein Gulden damals die Kaufkraft von etwa 70 Euro heute hatte. Nun, der Einsatz hat sich im Lauf von 300 Jahren auf jeden Fall bezahlt gemacht.